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 Interview Kalla Pflipsen, 11/2015

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MG-MZStefan

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BeitragThema: Interview Kalla Pflipsen, 11/2015   Mo 16 Nov 2015, 19:40



Sie kamen vom SC Rheindahlen in der Jugend zu Borussia und spielten insgeamt 18 Jahre im Verein, 11 davon als Profi. Sowas gibt es heute so gut wie gar nicht mehr. Wie kam es bei Ihnen dazu und haben Sie in all den Jahren nie Wechselgedanken gehabt?

Kalla Pflipsen: Heutzutage ist es wirklich unüblich, dass ein Spieler über einen so langen Zeitraum für seinen Heimatclub spielt. Ich habe immer sehr gerne für die Borussia gespielt und mich auch sehr wohl gefühlt. Im Nachgang bin ich aber auch froh darüber die Erfahrung gemacht zu haben, im Ausland gespielt zu haben.


Was hat für Sie Borussia bedeutet, bzw. wie haben Sie den Verein, und auch seine Höhen und Tiefen wahrgenommen und empfunden?

Kalla Pflipsen: Mönchengladbach ist meine Heimat und Borussia ist der Verein mit einer großen Tradition und Vergangenheit. Wenn du als junger Spieler dann die Möglichkeit bekommst für deinen Heimatverein aufzulaufen und auf höchstem Niveau Fußball zu spielen, dann ist das sowohl verpflichtend, als auch eine Freude zugleich. Höhen und Tiefen nimmst du entsprechend verstärkt wahr.


Dass Sie im offensiven Mittelfeld gespielt haben ist denken wir jedem bekannt. Um es den jüngeren Lesern aber vielleicht mal näherzubringen, wo haben Sie Ihre besonderen Stärken gesehen und würde ihr Spielertyp aus Ihrer Sicht heute noch passen?


Kalla Pflipsen: Ob junge, fußballinteressierte Menschen heute noch wissen wer ich bin, oder auf welcher Position ich gespielt habe, das glaube ich weniger. Das ist aber für mich nicht so wichtig und der normale Lauf der Zeit. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich auch heutzutage noch meinen Platz im modernen Fußball finden würde, weil sich der Fußball nie grundlegend ändern wird.


Einer der Höhepunkte Ihrer Zeit bei Borussia war vermutlich der DFB-Pokalsieg 1995, gibt es noch andere Spiele die Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben sind, sei es positiv oder auch negativ?

Kalla Pflipsen: Wenn du als Spieler mit deinem Club einen Titel holen kannst, dann ist das die Krönung deiner Arbeit und mit nichts zu vergleichen. Jeder Sieg mit der Mannschaft ist schön, jedes selbst geschossene Tor ebenfalls, aber ein Titel mit der Mannschaft übertrifft alles.


Hatten Sie eigentlich einen Lieblingsgegner/-gegenpieler/-torhüter? Wo irgendwie immer irgendwas ging und gut für Sie gelaufen ist?

Kalla Pflipsen: Lieblingsgegner waren natürlich die, gegen die wir oft gewinnen konnten, aber eine Garantie darauf gab es natürlich nicht. Zum Glück klappte das oft gegen Köln...


Und wie ist es bei den Trainern die Sie hatten. Ist Ihnen da jemand besonders positiv in Erinnerung?

Kalla Pflipsen: Die erfolgreichste Zeit hatten wir unter Bernd Krauss. Da hat es am meisten Spaß gemacht und mit ihm sind wir dann auch 1995 Pokalsieger geworden.


Apropos Erinnerungen und Spiele. Wir kennen den legendären Bökelberg ja nur aus der Sicht des Zuschauers und haben ihn in bester Erinnerung. Sie wiederum haben in vielen Stadien auf dem Rasen gestanden. Können Sie für "außen Stehende" beschreiben wie sich das auf dem Bökelberg angefühlt hat, und was ihn vielleicht auch aus Spielersicht besonders gemacht hat?


Kalla Pflipsen: Der Bökelberg wird mir persönlich natürlich immer in positiver Erinnerung bleiben, weil es das Stadion war in dem ich meine aktive Zeit verbracht habe und mit dem ich sowohl viele positive, als auch einige negative Erlebnisse verbinde. Dieses Stadion hat dem Verein die größten Erfolge seiner Geschichte beschert und es war schon ein sehr befremdliches Gefühl als dieses damals abgerissen wurde. Die Stimmung war einzigartig und die Ränge extrem steil, obwohl „nur“ ca. 34.000 Leute Platz fanden.


Um aber auch die andere Seite zu beleuchten, neben Höhen gab es natürlich auch Tiefen. Z.B. die zahlreichen Verletzungen, die Sie immer wieder zurückgeworfen haben. Wie haben Sie es geschafft damit umzugehen und sich immer wieder zurückzukämpfen?

Kalla Pflipsen: Das stimmt. Leider habe ich während meiner Karriere öfter schwere Verletzungen erlitten, die mich immer wieder zurück geworfen haben. Es ist schon mental schwierig immer wieder aufzustehen, aber es gab für mich nie Zweifel daran wiederzukommen, weil ich zu gerne Fußball gespielt habe.


Ein anderes nicht so glückliches Thema war die Sache mit dem Urlaubsgeld oder -entgelt. Möchten Sie dazu noch was sagen oder ist die Sache für Sie geklärt und erledigt?

Kalla Pflipsen: Ich habe kein Problem damit auch über Dinge zu reden, die nicht so positiv waren. Wenn ich mich heutzutage im Fußball umschaue, dann muss ich feststellen, daß dieser zum Teil sehr verlogen ist. Aktuell möchte ich hier den Korruptionsskandal in der FIFA, die Zweifel an der Vergabe der WM 2006 in Deutschland und auch die Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß nennen. Verglichen damit habe ich damals von geltendem Recht Gebrauch gemacht, also nichts Unrechtes getan. Ich möchte aber in dem Zusammenhang auch ausdrücklich erwähnen, daß ich nicht stolz darauf bin damals Urlaubsentgelt eingeklagt zu haben und ich dieses so auch nicht noch einmal tun würde. Ich konnte die Empörung der Menschen und Fans nachvollziehen, die es damals nicht verstehen konnten, dass ein gut verdienender Fußballer auch noch Urlaubsentgelt einklagt. Dieses Geld ist auch nie persönlich bei mir angekommen weil für mich vorher feststand, das ich dieses an soziale Zwecke weiterleite. Ich habe aus dieser Sache aber sehr viel gelernt und kann deshalb heute sagen, dass auch das zu meiner Karriere gehört und auch solche Dinge wichtig sind für die Entwicklung eines Menschen.


Nach Ihrer Zeit bei Borussia sind Sie zu Panathinaikos Athen gewechselt. Wie sind Ihre Erinnerungen an diese ja durchaus erfolgreiche Zeit im Ausland?

Kalla Pflipsen: Auch mein Auslandsaufenthalt bei Panathinaikos Athen war bewusst gewählt und im Nachhinein bin ich sehr froh, daß ich diese Erfahrung sammeln konnte. Im Vorfeld weißt du nicht was dich erwartet, aber genau das ist es, was ich gesucht habe. Mit der Mannschaft sind wir 2 mal Vizemeister geworden und konnten bis ins Viertelfinale der Champions League einziehen. Zusätzlich bin ich im ersten Jahr zum besten Ausländer in der Liga gewählt worden.


Es folgten noch die Stationen Alemannia Aachen und 1860 München bevor Sie ihre Profikarriere beendet haben. Würden Sie im Nachhinein sagen , dass alles soweit ok und so war, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Kalla Pflipsen: Alemannia Aachen war auf die alten Tage nochmal eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. 1860 München war nicht mehr das was ich mir vorgestellt hatte, so dass ich auch danach im Alter von 34 Jahren meine Karriere beendet habe.


Ihr Lebensmittelpunkt scheint aber immer irgendwie Mönchengladbach gewesen und geblieben zu sein, wo sie mittlerweile wieder aktiv sind. Kann man das so sagen, und wo engagieren Sie sich genau?

Kalla Pflipsen: Ich kümmere mich nach dem Tod von Christof Budde zusammen mit Peter Wynhoff und Jörg Jung um die Organisation und Durchführung der Spiele der Weisweiler Elf.


Wie oft finden Sie noch den Weg in den Borussiapark, und wie intensiv verfolgen Sie Borussia noch?


Kalla Pflipsen: Ich besuche noch regelmäßig die Spiele der Borussia und freue mich nach schlechtem Saisonstart, dass die Mannschaft zurück auf die Erfolgsspur gefunden hat.


Wie ist Ihre Einschätzung zur Entwicklung des Vereins, und wie beurteilen Sie ganz aktuell den Trainerwechsel?


Kalla Pflipsen: Die Entwicklung des Vereins in den letzten Jahren vor allem unter Lucien Favre ist sehr erfreulich und sensationell zugleich. Der Trainerwechsel kam sicherlich für alle sehr überraschend und plötzlich und man muss froh sein, das unter Schubert so schnell und überzeugend die Wende eingeleitet werden konnte.


Um bei aktuell zu bleiben, ein Thema was zurzeit bei den Fans heiß diskutiert wird: Wie haben Sie de Jong gesehen und wie schätzen Sie Drmic ein im Hinblick auf ihre Kompatibilität zu Borussias Spielweise?

Kalla Pflipsen: De Jong war und ist ein typischer Torjäger, der dann seine Stärken hat wenn er in einer Mannschaft spielt in der er oft im Strafraum zum Abschluss kommen kann. Das war damals bei Borussia anders, als das zum Beispiel in Enschede oder jetzt in Eindhoven der Fall ist. De Jong fehlt Geschwindigkeit und das Konterspiel ist nicht das was ihn stark macht und das war der Grund warum es bei Borussia nicht gepasst hat. Wenn ich Drmic für 10 Mio. aus Leverkusen hole, dann lasse ich ihn auch die ersten 6-7 Spiele von Beginn an spielen. Es hat mich schon überrascht, das er nur im ersten Saisonspiel von Beginn an spielte und danach nur noch gelegentlich zu Kurzeinsätzen kam. Ich finde man kann trotzdem beide Spieler nicht miteinander vergleichen und ich hoffe dass sich die Verpflichtung von Drmic noch auszahlen wird.


Hätten Sie ggf. die Zeit und wären auch bereit sich nochmal bei Borussia einzubringen, in welcher Form auch immer?


Kalla Pflipsen: Im Fußball sollte man niemals nie sagen, aber ich komme in meinem Leben auch ohne Fußball klar und meine Schwerpunkte liegen aktuell auf anderen Dingen.


Zum Abschluss darf der Versuch einer Frage aus der Rubrik "Heute kann ich es ja erzählen" nicht fehlen. Gibt es da eine Anekdote zum schmunzeln? Wir erzählen´s auch nicht weiter.. ;-)

Kalla Pflipsen: Da gibt es sicherlich eine ganze Menge, aber ich habe nicht vor wie der ein oder andere ein Buch zu schreiben. Meine Erinnerungen bleiben im Kopf.


Wir bedanken uns ganz herzlich für das Interview

Die RheinBorussen


Zuletzt von MG-MZStefan am Di 17 Nov 2015, 03:52 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Mattin

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BeitragThema: Re: Interview Kalla Pflipsen, 11/2015   Mo 16 Nov 2015, 20:11

Super gemacht Stefan! viersi viersi :cheers: :cheers: :karsten:

_________________
Don' t ask me why i' m doing this, you couldn' t understand!
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fridodeluxe

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BeitragThema: Re: Interview Kalla Pflipsen, 11/2015   Di 17 Nov 2015, 06:31

Mattin schrieb:
Super gemacht Stefan! viersi viersi :cheers: :cheers: :karsten:

Ich finds auch top!
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